Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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Doppeljubiläum Feuerwehr

animiertes FW-Logo150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neuffen 1863 – 2013
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kappishäusern 1888 – 2013 

In diesem Jahr können die beiden Neuffener Wehren dieses Doppeljubiläum feiern. Im Sommer gibt es dazu vom 5. Bis 8. Juli ein großes Festwochenende, in dessen Rahmen u.a. wieder das seit Mitte des 18. Jahrhunderts nachgewiesene Neuffener Kinderfest mit Festzug veranstaltet wird. Der Stadt- und Kulturring will auch seinen kleinen Teil dazu beitragen, dass das Jubiläum entsprechend gefeiert werden kann und bei möglichst vielen Neuffener und auswärtigen Bürgern möglichst lange im Gedächtnis haften bleibt. Deshalb wird er im Stadtmuseum im Schillingschen Haus eine Sonderausstellung gestalten, durch die am Festsonntag extra Führungen stattfinden. Selbstverständlich können auf Wunsch auf telefonische Anfrage hin auch weitere Sonderführungen durchgeführt werden (Heinrich Seewöster, Telefon 3965, Gerd Güttler, Telefon 7792).
Zudem sei nachfolgend beispielhaft in einigen, wenigen von zahlreich bekannten historischen Daten auf die Geschichte der Neuffener Wehren eingegangen.

 

 

1656/57
Der Besatzung des Hohenneuffen obliegt es, im Land nach ausbrechenden Feuern Ausschau zu halten und dann mit Kanonenschüssen davor zu warnen.
Wahrscheinlich werden die umliegenden Gemeinden bei einer Feuersbrunst von Feuerreitern vom Hohenneuffen alarmiert und unterstützt, wie dies beispielhaft bei einem Brand in Bempflingen durch Bürger von Erkenbrechtsweiler der Fall ist. Auf dem Rückweg verzehren diese Personen in Neuffen Brot und Wein für 24 Kreuzer.
1750
In Nürtingen fällt fast die gesamte Innenstadt dem von der Stadtschreiberei ausgehenden, großen Stadtbrand vom 12./13. Dezember zum Opfer. Vom Hohenneuffen erfolgt zunächst jedoch keinerlei Warnung, so daß es lange Zeit an Leuten mangelt, um aus Neckar und Steinach genügend Wasser zu schöpfen und herbeizuschaffen. Das mag aber nicht an der mangelhaften Aufmerksamkeit der Besatzung gelegen haben, sondern eher daran, daß diese Besatzung, nach dem Bericht des Kommandanten Schultz ein Jahr später, „allein aus dem meist bettlägrigen Wachtmeister und zwei Invaliden" bestanden hat. Erst bei Tagesanbruch wird ein „Notschuß" abgegeben. Da ist es aber schon viel zu spät: 133 Gebäude brennen bis auf die Grundmauern ab. Das brennende Stroh und Papier wird von einem heftigen Wind bis auf den Schurwald getragen. Der Brand ist so verheerend, dass Herzog Carl Eugen das ganze Land zum Spenden aufruft. Dank dieser mehr oder eher wenigen „freiwilligen" Gaben ist der Wiederaufbau schon 6 Jahre später weitgehend abgeschlossen.
1758
Unter Herzog Carl Eugen wird eine württembergische Commun-Ordnung erlassen, in der in 4 Kapiteln eine genaue Beschreibung der Zuständigkeiten und des Einsatzes bei einem Feuer erfolgt. Dazu gehört die Ausrüstung mit einer fahrbaren Feuerspritze ebenso wie mit Handspritzen, Leitern und Löscheimern. Auch in Neuffen muss das Löschwesen völlig neu geordnet werden. U.a. wird deshalb eine neue Spritze angeschafft.
Der Hohenneuffen dient nun, dank seiner herausragenden Lage, ausdrücklich als Alarmposten für ausbrechende Feuersbrünste im Lande. Anlässlich eines Festes lässt Herzog Carl Eugen in Hohenheim einen großen Strohhaufen anzünden, um seinen Gästen das Funktionieren seiner Verordnung zu demonstrieren. Und tatsächlich: Kurz danach blitzt es auf dem Neuffen mehrmals auf; die Feuerwache schießt mit den Kanonen Alarm, und die Wehren aus Neuhausen und Denkendorf treffen alsbald am „Brandort" ein.
1777
Nach einem schweren Feuer in Erkenbrechtsweiler informieren sich Bürgermeister Straub, sein Bruder, Landesumgelter Straub, und Förster Nestle aus Neuffen am 7. Juni vor Ort.
1782
In der Nacht vom 26. auf 27. August sieht die Feuerwache auf dem Hohenneuffen in nordöstlicher Richtung einen riesigen Brand lodern und gibt mittels 3 Kanonenschüssen auch Feueralarm. Trotzdem können in Göppingen beim großen Stadtbrand nur 16 Häuser gerettet werden.
1785
Bei einem Feuer auf dem Hohenneuffen selbst kommen die Rotten der Feuerwehr aus Erkenbrechtsweiler zu Hilfe und werden anschließend dafür mit einem Glas Wein und Brot bewirtet.
1863
Der Gesangverein Liederkranz ist der erste Verein in Neuffen, dessen Gründung urkundlich gesichert ist. Danach folgt schon die Neuffener Feuerwehr, eine der ersten im ehemaligen Altkreis Nürtingen, wenngleich nicht die erste! (Nürtingen 1856, Beuren 1862). Militärverein (1872), Albverein (1890), Verschönerungsverein (1892) und Turnerbund schließen sich noch vor der Jahrhundertwende an.
Ganz im Sinne der neugegründeten freiwilligen Ortsfeuerwehren ist der 1850 per Gesetz verfügte Bau von dörflichen Gemeindebackhäusern. Denn dies mindert die Brandgefahr durch das Befeuern der Backöfen in Privathäusern.
Der erste Neuffener Feuerwehrhauptmann ist der Ziegler Paul Fischer, sein Adjutant (Stellvertreter) der Amtsdiener Christian Spring.
1888
Auch in Kappishäusern schließen sich einige Männer zu einer freiwilligen Feuerwehr zusammen.
1893
In Neuffen zählt die Wehr unter Kommandant Friedrich Heimgärtner, einem Wagner, die nie wieder erreichte Stärke von 229 Mann.
1913
Das 50jährige Jubiläum der Feuerwehr wird in großem Stil begangen. Nach einer spektakulären Schauübung an und im „Ochsen", dem heutigen „Haus Notter"(vgl. das Bild im Museum von der Angriffsübung mit zahlreichen Leitern), fließt dort und auf dem Hohenneuffen danach jede Menge Freibier!
November 1923
„Von Ende Mai an bekommt die deutsche Mark eine mehr als kaninchenhafte Fruchtbarkeit . . ." Während dieser Inflationszeit spucken die Notenpressen immer mehr immer wertlosere Scheine aus, die schließlich nicht mehr gezählt, sondern gewogen werden! Auf den Scheinen des staatlichen Notgeldes ist der Hohenneuffen abgebildet. Für das unentschuldigte Fehlen bei einer Übung wird dem Neuffener Feuerwehrmann Karl Kling ein Strafgeld in Höhe von 5 Millionen Mark auferlegt. Wenig später kostet ein Ei 70.000.000, ein Bier 180.000.000! Der Kassenbericht vom Turnerbund weist einen Umsatz von exakt 275.445.765.744,80 Mark auf (also 75 Billiarden)!
1925
In der Nacht vom 13. Auf 14. September wird die Neuffener Wehr alarmiert. Aber sie kann nicht verhindern, dass Wohn- und Ökonomiegebäude des Gerichtsvollziehers Jakob Feucht niederbrennen. Wenig später entlarvt sich ein junger Mann aus einer Nachbargemeinde als Brandstifter.
1932
Der Rote Hahn auch in der Schlossgasse! Dabei brennen die nebeneinander liegenden Häuser Schietinger und Birkmaier fast vollständig ab. Birkmaiers bauen daraufhin gleich um die Ecke in der Eberhardstraße wieder neu auf, während das Haus Schietinger an gleicher Stelle wiederersteht, einschließlich der Küferei und der Mosterei. Diese existieren, freilich unter dem Namen Weinmann, bis in den Sommer 2001, ehe sie der neuen Ortskernumfahrung weichen müssen.
1937
Man braucht Platz für den Adolf-Hitler-Platz. Deshalb wird das am Lindenplatz in Stadtbesitz stehende, ehemalige Haus der „Laden-Mena", wie Wilhelmine Schaible allgemein genannt wird, im Dezember in einem Übungseinsatz von der Feuerwehr angezündet, wieder gelöscht und anschließend komplett abgebrochen! Ihr Laden war ein richtiger „Tante-Emma-Laden", und im Haus wohnte der erste Fotograf Neuffens, ihr Sohn Max Heine, bei dem man die ersten „Portraitphotos" machen ließ.
2 Jahre später, zum 50. Geburtstag des Führers, wird dann der Lindenplatz neugestaltet und in Adolf-Hitler-Platz umbenannt, der Haldenweg heißt Albert-Leo-Schlageter-Straße, aus der Uhland- wird die Horst-Wessel-Straße, aus dem Ebnet-Weg die Hindenburgstraße und aus der Köhler- die Bismarckstraße.
1944
Je länger der Krieg dauert, desto weniger arbeitsfähige Männer sind noch im Städtle. Deshalb gibt es auch keine vollzählige Feuerwehr mehr, als im November 1944 der „Ochsen" von einer Bombe getroffen wird. Man bemerkt eine riesige Staubwolke und meint zuerst, es hätte in der Metzinger Straße eingeschlagen. Es ist um 11 Uhr vormittags – und bald sieht man die wahre Bescherung. Der Büttel geht durchs Städtle und schellt aus, daß nachmittags alle Bauern mit den Pferden und Truchenwagen, das sind Wagen mit Behältern, Truhen, für Steine, Kies u. a., zum „Ochsen" kommen müssen. Die Fronarbeiter der Gemeinde laden den Schutt auf, und man fährt ihn wohl auf den Auchtert weg. Man erzählt sich, daß vor dem „Ochsen" ein Auto mit Holzvergaser gestanden sei und so gequalmt habe, daß die anfliegenden Amerikaner meinten, im Gebäude sei eine Fabrik. Vielleicht wurde aber auch nur die überzählige Ladung beim An- oder Rückflug aus Stuttgart abgeworfen.
1963
100 Jahre freiwillige Feuerwehr Neuffen
1988
125 Jahre freiwillige Feuerwehr Neuffen/100 Jahre Abteilung Kappishäusern
1989
Nachdem es längere Zeit eine lebhafte Debatte gab, ob das erweiterte Feuerwehr-Magazin nicht hinter dem Rathaus erstellt werden solle, kann nun endlich am nördlichen Ortsrand, gegenüber der Spedition Schall, das neue Feuerwehrhaus eingeweiht und in Betrieb genommen werden, in dem auch die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und die Neuffener Landfrauen ihre neue Heimat finden.

Damit sei es an dieser Stelle genug. Wenn Sie mehr über die Geschichte der Neuffener Wehren wissen möchten, kommen Sie doch einfach ins Stadtmuseum zu der Sonderausstellung mit Führungen „150 Jahre Feuerwehr Neuffen / 125 Jahre Feuerwehr Kappishäusern", informieren Sie sich und bewundern Sie die einmaligen, teilweise herausragenden Exponate über die Neuffener Feuerwehrgeschichte.

 

Stadtmuseum Neuffen, Gerd Güttler