Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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Hohenneuffen-Modell und Geschichte des Hohenneuffen

Hohenneuffen-ModellDas heute im Stadtmuseum zu bewundernde Modell des Hohenneuffen wurde 1953/54 von einer Arbeitsgemeinschaft der Schüler (Kunst-AG) am Gymnasium Nürtingen (heute: Max-Planck-Gymnasium, MPG) unter der Leitung von Kunstlehrer Otto Zondler erstellt. Es soll den (Ideal-) Zustand der Festung nach der barocken Umbauphase im Jahre 1737 dokumentieren. Dieser Ausbau der Festung wurde jedoch nie vollendet! Man kann aber selbst aus den Resten der Ruine noch die vier verschiedenen hauptsächlichen Bauphasen erkennen.

Vor der großen gläsernen Vitrine, auf einer Schautafel, wird das Modell anhand von einer Zeichnung, einem Grundriß und einem Bild aus der Vogelperspektive in seinem ruinösen Zustand von heute anschaulich erklärt. Zu diesem Orientierungsplan heißt es u.a.:

Im 12. und 13. Jahrhundert war der Hohenneuffen die Stammburg der Herren von Neuffen, einem bedeutenden schwäbischen Hochadelsgeschlecht, das im Dienste der späten Stauferherrscher stand und dabei namhafte Persönlichkeiten hervorbrachte. (Romanische Bauphase)

Die Burg der Neuffener Herren umfaßte den Bereich des heutigen Oberen Hofs. Aus ihrer Zeit sind noch die über drei Meter starke Schildmauer samt Burggraben und Teile der Ringmauer erhalten. Die Burg wurde bei der Königsrevolte Heinrichs VII. gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., 1235 belagert, aber nicht gebrochen.

Im 14. und 15. Jahrhundert vergrößerten die württembergischen Grafen, die den Neuffen (samt der Herrschaft Neuffen) 1301 gekauft hatten, die Burg durch eine hohe äußere Ringmauer mit Ecktürmen, von denen aber nur der Torturm (Allewindeturm) erhalten blieb. Der Alb zu wurde im Vorgelände ein weiterer Graben ausgehoben und durch zwei Halbrundtürme gesichert. (Gotischer Ausbau)

In dem langjährigen Streit der Grafen mit den Reichsstädten kam es zu zwei Belagerungen des Neuffen: 1312 durch Esslingen, 1449 durch die Gmünder. Beide überstand die Burg unbeschadet.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burg um 1550 durch die Herzöge Ulrich und seinen Sohn Christoph zu einer der sieben Landesfestungen ausgebaut (Hohenasperg, Hohenurach, Hohentübingen, Hohentwiel sowie Kirchheim und Schorndorf). Der Bereich zwischen Innen- und Außenmauern wurde aufgefüllt, im Osten der Obere Wall (mit Patroulliergang, Kasematten und unterirdischem Gang) aufgesetzt und im Norden der Vorhof (mit Kornhaus, Kaserne, Kirche und Kasematten) angelegt. Zur Stützung und Sicherung der Außenmauern wurden drei riesige Rundbastionen errichtet, die heute noch das charakteristische Aussehen der Burgruine prägen (Wachtstuben-, Schwarzer und Neuffener Turm). Das Festungstor verlegte man auf den Schwarzen Turm. Es wurde bis 1740 über eine lange, geschwungene, auf sieben steinernen Pfeilern stehende Holzbrücke erreicht, zu deren Schutz der Untere Hof ummauert wurde. Herzog Ludwig, der Sohn Christophs, ließ dazu die Ludwigsbastion sowie einen Pulverturm im Vorfeld erbauen. (Renaissance-Ausbau)

In dieser Zeit war der Neuffen mehrfach bedroht: Als Herzog Ulrich, vom Kaiser in Acht und Bann geschlagen, außer Landes fliehen mußte, ergab er sich 1519 kampflos dem Schwäbischen Bund, öffnete aber 1534 dem zurückkehrenden Herzog Ulrich wiederum gutwillig die Tore (vergleiche das Gemälde an der Wand gegenüber). Im Bauernkrieg wurde der Kommandant 1525 aufgefordert, die Burg den Aufständischen zu übergeben, wurde aber weder angegriffen noch belagert. Nur ein einziges Mal wurde der Hohenneuffen kriegerisch bezwungen: Das war im 30jährigen Krieg, als sich die Festung nach fast 15monatiger Belagerung den kaiserlichen Truppen ergab.

Im 18. Jahrhundert schließlich erhielt die Festung vor 1740 unter Herzog Karl Alexander Vorwerksbastionen mit kasemattierten Wällen und Gräben, statt der hölzernen Brücke die an die Mauern angelehnte, heute noch benützte Fahrstraße am Nordhang mit der untertunnelten Friedrichsbastion und dem abgegangenen Karl-Eugen-Tor. Im Oberen Hof befanden sich Zeughaus, Kommandantur, Staatsarrestantenbau, Schmiede, Zisterne, Stallungen, Bastei mit zwei Verliesen, in denen für 40 Tage der bekannteste Staatsgefangene des Neuffen, der Finanzier Herzog Karl Alexanders, »Jud« Süß Oppenheimer, gefangen saß.

Nach dieser, aus Geldmangel nicht vollendeten barocken Ausbauphase zerfiel die als Gefängnis und Feuermeldeposten benützte Festung zusehends, ohne daß sie direkt in kriegerische Handlungen verwickelt worden wäre, und wurde endlich 1801, genau 500 Jahre nachdem sie württembergisch geworden war, auf Befehl Napoleons aufgelassen und geschleift. D.h. es wurden Balken und Steine abgetragen, zum Teil auch durch die Bevölkerung, was dazu führte, daß man im nahen Hülben noch nach dem 2. Weltkrieg von »Schlößlesbauern« sprach!

Im Zuge einer Rückbesinnung auf nationale Denkmale wurde schließlich die weitere Zerstörung der Ruine verboten, und seit Mitte des 19. Jahrhunderts feierten nicht nur Tübinger Studenten auf dem Berg das Pfingstfest bei Musik und Tanz. Um die Erhaltung der Burg verdient gemacht hat sich der Uracher Forstmeister Graf von Mandelsloh. Erwähnt werden muß ebenfalls der Paulus, der mit seiner These, die großen Rundtürme seien ein Werk Theoderichs des Großen, eine lebhafte und hitzig geführte Diskussion über die Gründung des Hohenneuffen in Gang setzte, der wir letztlich viele bis dahin unbekannten Fakten über den Hohenneuffen verdanken. Abschließend gilt es neben den Neuffener Stadtpfarrern Kapf, Metzger und Hetzel noch den Landskundler Hans-Martin Maurer gebührend zu würdigen, die sich alle um die Erforschung der Geschichte des Hohenneuffen verdient gemacht haben.

Es kann natürlich nur der klägliche Versuch unternommen werden, das Modell des Hohenneuffen mit Worten zu beschreiben. Das Modell muß man einfach persönlich in Augenschein nehmen. Sie werden danach bestätigen, daß sich der Besuch fast nur allein deswegen gelohnt hat!

 

(Kanonen-) Kugeln

Unter dem Modell des Hohenneuffen sieht man verschiedene Stein- und Eisenkugeln liegen, die alle von der Burg mit Kanonen, Gewehren (Hakenbüchsen) oder Steinschleudern (Bliden) verschossen wurden. Deren Kaliber von ca. 2 cm bis ca. 28,5 cm Ø und Form weist auf die Art des Verschießens hin.

 

Ritterrüstung

Auf dem Absatz der nicht mehr weiter nach oben führenden Treppe steht eine nahezu komplette Ritterrüstung mit Visierhelm mit Federbusch, Brustharnisch, darunter dem Waffenrock, mit Arm- und Beinschienen mit Schulter-, Ellenbogen- und Kniekapseln, Handschuhen und Schuhen. Einzig fehlendes Ausrüstungsstück ist das Kettenhemd. Im Hintergrund lehnt ein schwerer Zierschild; die Rüstung ergänzt ein Bidhänder, ein mit beiden Händen zu führendes, langes Kampfschwert.

Für Kinder besonders interessant sind ein einzelner, schwerer Brustharnisch ohne Lederriemen und ein aus dem 15. Jahrhundert stammender Visierhelm in Form eines Schallers, dessen hinteres Ende, wie bei einem heutigen Feuerwehrhelm, krempenartig verlängert ist und damit den Nacken des Trägers schützen soll. Interessant und spannend deshalb, weil diese beiden Objekte von mutigen Pagen und Knappen anprobiert und getragen werden können. Dazu kommt noch ein nachempfundener, schwerer Streitkolben, den sie versuchen können, in ihrer kleinen Hand zu halten.

 

Ölgemälde

Die auf dem ca. 70 x 90 cm großen Ölgemälde dargestellte Szene schildert die Rückkehr Herzog Ulrichs aus der Verbannung. im Jahre 1537, so wie sie der schwäbische Dichter Gustav Schwab beschrieben hat: Der Herzog, hoch zu Roß und mit kleinem Gefolge, begibt sich auf »seinen« Hohenneuffen, dessen Kommandant ihn nach dem kaiserlichen Bannstrahl vor 7 Jahren so schmälich verraten hat. Kommandant Berthold von Schilling fürchtet die Rache seines ehemaligen und wieder eingesetzten Herrn, die sich in zahlreichen anderen Fällen als sehr hart erwiesen hat. Um ihn milder zu stimmen, bittet er ihn, für den im Hintergrund vor den hohen Festungsmauern zu sehenden, soeben geborenen Nachkommen die Patenschaft zu übernehmen. Der Herzog erweist ihm die Gnade, und die Geschichte geht noch einmal gut aus.

Tatsächlich ist dies aber nur eine schöne Geschichte, denn in Wirklichkeit kann diese Begegnung aus Zeitgründen nicht stattgefunden haben.