Stadt- und Kulturring Neuffen e.V.

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Das Leben von Gottfried von Neuffen

Codex Manesse Fol.32v Gottfried von NeifenMit ihm sei ein Angehöriger des Neuffener Hochadelsgeschlechtes herausgegriffen, der keineswegs zu den politisch bedeutenden Vertretern seiner Familie gehörte, in der damaligen Zeit aber, bedingt durch die Freundschaft zum Kaisersohne Heinrich (VII.) an den Kaiserpfalzen verkehrte und dank seiner Reim- und Sangeskunst hochgeachtet war.

„Her Gotfrit von Nifen", wie er in der »Großen Heidelberger (oder nach dem Züricher Auftraggeber Manesseschen) Liederhandschrift« heißt, war der nach Heinrich II. jüngere Sohn von Adelheid von Winnenden und von Heinrich I. von Neuffen (genannt »comes« = Graf, urkundlich nachgewiesen von 1200 bis 1246). Adelheid von Winnenden war die Tochter von Graf Gottfried von Winnenden.

Der Minnesänger Gottfried von Neuffen ist von 1234 bis 1262 bezeugt. Er könnte zwischen 1212 und 1215 geboren sein, wahrscheinlich auf dem Hohenneuffen. Seine Kindheit verbrachte Gottfried wohl auf dem Schloß. Bald wurde er, wie in der Ritterzeit üblich, zunächst als Page, dann als Knappe zu einem befreundeten Ritter auf eine Nachbarburg gegeben, wo er zum Ritter (von »Reiter« abgeleitet) ausgebildet wurde. Dort lernte er alles, was ein Ritter können musste. Wir wissen, daß er mit seinem Vater Heinrich I. und seinem älteren Bruder Heinrich II. am Königshof Heinrichs (VII.) verkehrte. Bis zur vergeblichen Erhebung des Kaisersohnes gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., waren die Neuffener angesehene und einflußreiche Gäste in den Kaiserpfalzen in Esslingen und Wimpfen. Gottfried und Heinrich waren etwa im gleichen Alter, wohl beide musisch begabt und an Musik, Tanz und Gesang interessiert, so daß zwischen ihnen vielleicht sogar so etwas wie eine Freundschaft bestanden haben könnte.

Gottfried heiratete; doch von seiner Frau kennt man nur den Namen Mechthild, was darauf hinweist, dass es sich um keine adelige Dame handelte. Bekannt aus Gottfrieds Lebenslauf ist weiter, dass er, zusammen mit seinem Vater Heinrich I. und seinem Bruder Heinrich II., in die Streitigkeiten zwischen Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Heinrich (VII.) geriet. Da sie mit dem jungen König befreundet waren, stellten sie sich auf seine Seite, zusammen mit den Grafen von Urach/Achalm und Graf Anselm von Justingen Als es bei Dettingen zur Schlacht im »Swiggerstal« kam, wie das heutige Ermstal damals genannt wurde, kämpften sie folglich auf Seiten des Sohnes gegen dessen Kaiservater. In dieser Schlacht unterlagen sie dem starken Ritterheer des Kaisers unter dem Konstanzer Bischof von der Tanne und wurden alle als Hochverräter gefangen genommen.

Sie verloren das achalmische Lehen, kamen aber bald gegen Bezahlung einer Auslösung wieder frei, wurden begnadigt und verkehrten später auch wieder am kaiserlichen Hofe. Ihr Einfluß dort hatte aber deutlich abgenommen. Das mag dazu geführt haben, daß sich Gottfried aus dem unbeschwerten, freien, offenen, lauten Hofleben stärker zurückzog, zumal Graf Anselm von Justingen und der Kaisersohn nicht so glimpflich davonkamen. Justingens Burg Hohenjustingen wurde zerstört, und Heinrich als Aufständischer gegen seinen Kaiservater blieb dessen Gefangener, wurde nach Süditalien in ein Turmverlies gebracht und starb dort nach 6 Jahren unter heute noch nicht vollkommen geklärten Umständen.

Der Besitz Heinrichs I. wurde unter seine Söhne Heinrich II. (Neuffen, Winnenden) und Gottfried (Güglingen mit Blankenhorn) aufgeteilt. Rohrdorf hatte er schon 1215 an den Truchsessen von Waldburg verkauft. Gottfrieds beide Kinder Rudolf († 1296) und Maria († 1297) erhielten somit je die Hälfte von Güglingen. Aus Rudolfs Ehe mit Elisabeth von Stratenberg ging mit Elisabeth nur eine Tochter hervor, Marias Ehe mit Ulrich von Magenheim zu Brackenheim blieb kinderlos. Heinrich II. hatte 3 oder 4 Kinder: Albert († schon 1278), Berthold IV. (1268, † 1290), Liutgard († 1299, verheiratet mit Konrad von Weinsberg) und evtl. eine namentlich nicht bekannte, ebenfalls früh gestorbene Tochter. Somit wurde sein Besitz unter Sohn Berthold und Tochter Liutgard aufgeteilt und beide erhielten je die Hälfte von Neuffen-Winnenden. Da Bertholds Ehe mit der Erbtochter Richenza von Löwenstein (die freilich kein Erbe mehr in die Ehe mitbringen konnte, weil es ihr Vater zuvor schon veräußert hatte) kinderlos blieb, verkaufte er 1284 seine Hälfte von Neuffen-Winnenden an den Gatten seiner Schwester, Konrad von Weinsberg, der damit das gesamte Neuffen-Winnenden besaß. Dieser verkaufte die Herrschaft Neuffen samt Burg und allen Orten und Rechten im Jahre 1301 für 7.000 Pfund Heller an den Grafen Eberhard von Württemberg.

Obwohl die Herren von Neuffen teilweise eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik spielten, gelang es ihnen, abgesehen von der »bayerisch-schwäbischen Linie« anscheinend nicht, den Grafentitel offiziell zu bekommen – wenngleich sie mehrmals als solche (»comes«) tituliert wurden. Merkwürdig ist auch, daß bis zum heutigen Tage nichts über ihre Grablegen oder wenigstens über ihre Begräbnisorte bekannt ist, wie z. B. bei vergleichbaren Adelshäusern – auch über Gottfried nicht. Später wohnte er bis zu seinem Lebensende auf der Burg Blankenhorn bei der Stadt Güglingen im Zabergäu, von der heute noch die starke Schildmauer erhalten ist. Ebenso wenig wissen wir, wann genau Gottfried gestorben ist; es muss um das Jahr 1270 gewesen sein. Auch über seinen Begräbnisort ist nichts bekannt.

Stammbaum der Herren von Neuffen und wichtigste Vertreter

Sinnender GottfriedDer Minnesänger Gottfried von Neuffen, damals „Gotfrit von Nifen" genannt, enstammt einem bedeutenden Freiadelsgeschlecht: 

Der Stammbaum der Herren von Neuffen geht auf eine Arbeit von Hans-Martin Maurer zurück, der sich erstmals eingehender mit den Wurzeln der hochadeligen Familie derer von Neuffen befaßt hat.

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stammbaum

Er zeigt die Ursprünge der Neuffener auf, die auf ein Adelsgeschlecht aus Obersulmetingen zurückgehen. Unter Berthold von Sulmetingen-Böhringen-Sperberseck wird die Burg Sperberseck oberhalb des Dontales erbaut. Sulmetingen ist heute ein kleiner Ort südlich von Ulm. Dessen Sohn Manegold von Sulmetingen-Nyfen gilt als Erbauer des Hohenneuffen. 

Berthold d.Ä. der Sperbersecker Linie war 1092 schwäbischer Bannerträger, sein Sohn Berthold d.J. unternahm um 1135 eine Jerusalemreise. Die Kinder Mangolds waren Egino (Comes de Niphan), Machtilt (de Nipihn), Ulrich und Leutfried. Ob der von 1160 bis 1222 urkundlich bezeugte Berthold von Weißenhorn-Neuffen ein Sohn oder Enkel des letzteren war, bleibt ungewiß. Auf alle Fälle war der als »Graf« bezeichnete Berthold ein herausragender Vertreter seines Geschlechts. Zu seinem Ansehen maßgeblich begetragen hatte seine Heirat mit Adelheid von Achalm-Gammertingen-Hettingen, einer Nachfahrin der Grafen von Achalm-Gammertingen und der Grafen von Dillingen, die ihm nicht nur Besitz der Grafen von Achalm/Gammertingen, sondern auch Reputation am Kaiserhofe eingebracht hatte. Durch seine Bildung und sein Auftreten gelang es ihm, dieses Ansehen weiter zu mehren. Seine Kinder hießen: Heinrich, Berthold, Mathilde, Adelheid und Albert. Letzterer war der Begründer der bayrisch-schwäbischen Linie der Neuffener. Seinem Sohn Berthold gelang, was der Neuffener Linie immer verwehrt blieb: durch Heirat mit einer Erbin der Grafen von Marstetten erhält er den Grafentitel. Sein Sohn Gottfried war Pfarrer in Weißenhorn und seit 1305 Domkapitular in Augsburg, sein Enkel Berthold von Graisbach-Marstetten Generalprokurator von Bayern und Reichsstadthalter. Da er keinen männlichen Nachkommen hatte, starb mit ihm die bayrische Linie aus. Anna, eine Tochter, ehelichte Herzog Friedrich, den Enkel des bayrischen Kaisers.

Der bedeutendste Vertreter der Schwäbischen (oder Neuffener) Linie war der als »Comes« titulierte Heinrich I. Er heiratete Adelheid von Winnenden, wodurch er zu nicht unbeträchtlichem Gebietszuwachs kam (Winnenden, Rohrdorf, Güglingen) und war für ein Jahr Regent von Schwaben. Er gilt als der Erbauer der Burg Blankenhorn (bei Ochsenbach hinter Ludwigsburg). Er nahm eine einflußreiche Stellung am kaiserlichen Hofe ein. Denn er hatte, gemeinsam mit Graf Anselm von Justingen, den jungen Friedrich, den späteren Kaiser, quer durch Italien und über die Alpen nach Deutschland geholt. Sein Bruder Berthold war Viztum zu Trient (1208), königlicher Protonotar (1212), Probst zu Speyer (1215) und endlich Bischof von Brixen (1217 – 1224); seine Schwester Mathilde Äbtissin des Stifts Obermünster in Regensburg. Die Gatten einer weiteren Schwester Adelheid stammten aus angesehenen Familien: in erster Ehe war dies Graf Konrad von Heiligenberg, in zweiter Ehe Graf Gottfried von Sigmaringen-Helfenstein. Eine nicht näher bekannte Schwester war die Ehefrau des Grafen Heinrich II. von Wartstein.

Die Kinder Heinrichs I. waren: Heinrich II., Gottfried, der MInnesänger, Adelheid, Leukardis und Juta. Unter Heinrich II. wurde Neuffen (um 1232) zur Stadt erhoben. Ihm gehörten Neuffen und Winnenden, während sein Bruder Gottfried Güglingen mit Blankenhorn geerbt hatte. Adelheid heiratete erneut einen Uracher, den Grafen Egino V. von Urach und Freiburg, Juta ehelichte Graf Schenk von Winterstetten, der nach Heinrich I. vom Kaiser ebenfalls zum Regenten von Schwaben ernannt wurde.

Die Kinder Heinrichs II. waren Albert, Berthold, Luitgard sowie eine namentlich nicht bekannte Tochter, die von Gottfried Rudolf und Maria. Da Berthold (verheiratet mit Richinza von Löwenstein) und Rudolf (verheirat mit Elisabeth von Stratenberg), die beiden Vettern, keine männlichen Nachkommen hatten, starb mit ihnen zum Ende des 13. Jahrhunderts die schwäbische Linie aus. Damit war ein hochadeliges Geschlecht erloschen, das mit seinen führenden Vertretern Berthold und Heinrich I. die deutsche – und damit die europäische Politik durch das Auftreten am kaiserlichen Hof eine zeitlang mitgeprägt hatte.

„Soweit Gottfried die Füße trugen . . .“

GD Gottfried-DenkmalDas waren die ersten ernüchterten Worte des 1. Vorsitzenden des Stadt- und Kulturrings Neuffen, nachdem er seine Fassung einigermaßen wiedergefunden hatte. Von ungläubigem Staunen über eine allgemeine Resignation bis zu unbändiger Wut reichten die Reaktionen nicht nur der Mitglieder des Stadt- und Kulturrings sondern auch vieler Neuffener Einwohner ob dieser frevelhaften Tat. In der Tat war das, was sich am Mittwoch-Nachmittag ereignet hatte, nur noch mit einer großen Portion Sarkasmus zu ertragen:
Das Denkmal von Gottfried, dem berühmtesten Neuffener, war vom Sockel gestoßen, und der einstmals so stolze Minnesänger lag ziemlich derangiert neben dem Ort, auf dem er vormals so vornehm und melancholisch zugleich gethront hatte. 
 
Der traurige Rest
 

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